REVIEWS

Reviews

Zu viele CD-Veröffentlichungen, zu wenig Platz in den vierteljährlichen Print-Ausgaben: Um der Flut an neuen CDs gerecht zu werden, stellt bluesnews zusätzlich Platten in der Online-Ausgabe vor. Ausgewählte Rezensionen aus dem Heft sowie frühere CD-Tipps komplettieren das Angebot hier unter "Reviews".  


Grady Champion - Tough Times Don't Last

Überfrachtetes Soundkostüm

Grady Champion
Tough Times Don't Last
(Grady Shady Music, 49:57)

Den zwölf Eigenkompositionen dieser selbst produzierten Scheibe des 2010er-IBC-Gewinners hätte man einen erfahrenen Produzenten und/oder Arrangeur gewünscht, denn das Songmaterial hat im Prinzip durch die Bank Potenzial, und dass Grady Champion auch als Sänger eine gute Figur macht, steht gleichfalls außer Frage. Leider kommen die Songs aber mehrheitlich in einem wenig professionell anmutenden und teils undifferenzierten bzw. überfrachteten Soundkostüm daher.

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Little Axe - Return

Die Ohren schalten auf Durchzug

Little Axe
Return
(Echo Beach, 77:47)

Wenn man bedenkt, dass die Musiker dieser Band auch mit Namen wie Living Color und Grandmaster Flash in Verbindung zu bringen sind und Doug Wimbish, Skip McDonald und Keith LeBlanc eigentlich die Hausband der Sugarhill Gang waren, kann man sich ungefähr vorstellen, wie Little Axe klingen. "Return" ist nun die Essenz der ersten beiden Alben dieser seit 1992 aktiven Formation, angereichert mit diversen zusätzlichen Mixes und Specials.

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Sax Gordon - Showtime!

Bläserbetonter R&B und Soul

Sax Gordon
Showtime!
(Continental Blue Heaven, 41:56)

Auf eine Art Zeitreise in jene Tage, als bläserbetonter R&B und Soul ganz hoch im Kurs standen, nimmt einen Gordon Beadle auf seinem aktuellen Album mit, dies allerdings nicht à la Blues Brothers & Co. mit Covers von inzwischen zu Klassikern gewordenen Nummern, sondern mit Songmaterial, das überwiegend aus seiner eigenen Feder stammt. Dass dabei sein Tenorsaxofon nicht nur bei Instrumentals wie etwa dem treibenden Opener und Titelstück im Zentrum des Geschehens steht, versteht sich von selbst.

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The Fabulous Thunderbirds - On The Verge

Neue Plattenfirma und neue Sounds

The Fabulous Thunderbirds
On The Verge
(Severn, 45:35)

Neue Plattenfirma, neue Sounds, da passt der Titel des Albums. Kim Wilson hat des Öfteren mit Soul geflirtet, aber in der Besetzung, mit der er seine Thunderbirds nun an die Ostküste dirigiert hat, überwiegen die Anteile des R&B gewaltig. Für Harpfans mag das traurig sein, denn Wilson hat diesmal wirklich nicht viel in der Richtung zu bieten. Wenn aber, dann klasse, wie spätestens das aufmüpfige "Too Much Water" zeigt.

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The Jeff Healey Band - House On Fire

Archivmaterial für eingefleischte Healey-Fans

The Jeff Healey Band
House On Fire
(Eagle Records, 47:14)

Im beiliegenden Presseinfo in recht kruder Metaphorik als "Veröffentlichungen aus der Gruft der Jeff Healey Band" bezeichnet, handelt es sich bei dem im CD-Untertitel als "Demos & Rarities" gehandelten Archivmaterial um acht Songs, die 1992 bei den Aufnahmesessions zu Healeys drittem Album "Feel This" entstanden, plus drei weitere aus den Jahren 1994 bzw. 1998. Dabei geht das Gros der Titel auf das Konto des 2008 verstorbenen Kanadiers und seiner beiden Triokollegen Joe Rockman (Bass) sowie Tom Stephen (Drums).

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Willie Buck with The Rockin' Johnny Band - Cell Phone Man

Für Fans des traditionellen Chicago-Blues

Willie Buck with The Rockin' Johnny Band
Cell Phone Man
(Delmark, 59:31)

Willie Buck kam als Teenager nach Chicago und war von einem Auftritt von Muddy Waters so begeistert, dass er selbst anfing zu singen, allerdings immer nur als Nebenbeschäftigung und größtenteils "under the radar" in kleinen Clubs. Nun hat Delmark den Veteranen ins Studio geholt und neues Material mit ihm eingespielt. Hierfür hat Willie sieben eigene Titel mitgebracht, acht Stücke stammen aus dem Repertoire von Muddy, hinzu kommen je ein Titel von Ted Taylor und Gene Halton (dessen "Tow Truck Man" musikalisch auf Muddys "I Want To Be Loved" basiert).

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The Mike Eldred Trio - 61/49

Stimmiger Groove

The Mike Eldred Trio
61/49
(Rip Cat Records, 47:35)

Nachdem dieses Album 2011 schon einmal unter dem Titel "61 And 49" sowie mit anderer Trackfolge auf einem europäischen Label erschienen war, wurde es nun Anfang des Jahres - mit Copyright-Vermerk 2010 - von der in Mike Eldreds südkalifornischer Heimat angesiedelten Plattenfirma Rip Cat Records erneut auf den Markt gebracht. Aufgenommen wurden die dreizehn sämtlich aus Eldreds Feder stammenden Songs zum Teil allerdings bereits deutlich früher, denn neben Elvis-Gitarrist Scotty Moore und Ex-T-Bird Kid Ramos bei je einem Song war auch der 2007 verstorbene Ike Turner bei zwei weiteren an den Tasten mit von der Partie.

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Don't You Know? Last Buzz Recording Co. 35 Years

Schwedische Jubiläumsfeier

Various Artists:
Don't You Know? - The Last Buzz!
(Last Buzz, 78:12)

Über den Titel dieses Albums darf gerätselt werden, denn auf dem Rücken des Digipaks ist "Don't You Know? Last Buzz Recording Co. 35 Years" zu lesen und die Plattenfirma bietet noch zwei weitere Schreibweisen an. Jedenfalls wird laut Booklet mit "21 rare und unreleased recordings from 1975-2012" das 35-jährige Label-Jubiläum gefeiert. Nach Adam Riese findet die Sause also mit drei Jahren Verspätung statt - und mit reichlich Etikettenschwindel.

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Alan Wilson - The Blind Owl

Erinnerung an einen Ausnahmekünstler

Alan Wilson
The Blind Owl
(Severn Records, 2 CDs, 39:29/38:22)

Mit dieser Doppel-CD ruft Severn das Wirken eines Ausnahmekünstlers in Erinnerung, der schon in jungen Jahren sehr erfolgreich war und 1970 im Alter von 27 Jahren verstarb. Anlass dazu gibt der Geburtstag des Canned-Heat-Mitbegründers, denn der jährt sich am 4. Juli zum 70sten Male.

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David Philips - December Vine

Gefühlvolle Balladen mit stimmungsvollem Sound

David Philips
December Vine (4 Track Tapes)
(Black & Tan, 49:46)

Bereits mit seiner vorherigen CD ("The Rooftop Recordings", Rezension in bluesnews 68) ließ der Brite aufhorchen, auch wenn darauf der Blues nur eine kleine Rolle spielte. Auf "December Vine (4 Track Tapes)" wird Liebhabern blauer Töne Geduld abverlangt, lediglich drei der letzten fünf Songs (von insgesamt dreizehn) verdienen das Prädikat "Blues".

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Michael de Jong - Life In D-Minor

Molllastige Klänge für die Schwermut

Michael de Jong
Life In D-Minor
(MW Records, 49:45)

Dass sich Blues nicht nur in der Struktur eines Songs ausdrückt, sondern zu einem guten Stück auch Lebensgefühl ist, würde wohl kaum jemand bestreiten. Glaubt man der handgeschriebenen Nachricht, die der Rezensions-CD beiliegt, so hat Michael de Jong jede Menge gefühlten Blues in seine Songs fließen lassen. Musikalisch steht der Franzose mit niederländischen Wurzeln dann aber doch eher in der Tradition der Singer und Songwriter.

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Climax Blues Band - Blues From The Attic

Reissues: Einmal Top, einmal Flop

Climax Blues Band
Drastic Steps (Repertoire, 45:32)
Blues From The Attic (Repertoire, 77:24)

Wo Blues draufsteht, ist nicht unbedingt Blues drin. Das gilt hier für "Drastic Steps", eine Wiederveröffentlichung des 1988er-Albums, mit dem die Briten einen kläglich gescheiterten Versuch unternahmen, ihren langsam untergehenden Stern neu aufleuchten zu lassen. Das Comeback gelang der 1969 als Climax Chicago Blues Band gegründeten Formation schließlich 1993 mit "Blues From The Attic", bluesnews stellt beide Reissues vor.

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