bluesnews 92

Jim Byrnes: Blues beginnt tief im Herzen und in der Seele

(Kommentare: 0)

Jim Byrnes: Blues beginnt tief im Herzen

Die neue CD sei nur Resümee und Fortsetzung seiner einst begonnenen musikalischen Arbeit, sagt Jim Byrnes. Nur sei das Ergebnis diesmal eben ein klein wenig besser gelungen als sonst. Hoffe er zumindest. Das klingt nach einem Rückblick auf vergangene Taten, den man einem 69-Jährigen ja durchaus zugestehen dürfte. Was aber viel zu kurz griffe. „Long Hot Summer Days“ ist auf jeden Fall eines der besten American-Roots-Music-Alben des Jahres. Die 12 Songs haben viel mit dem bisherigen Lebensweg des James Thomas Kevin Byrnes aus St. Louis, Missouri, zu tun, mit seinen Erfahrungen und Erlebnissen, mit Erfolgen und persönlichen Katastrophen. Womit man sich – beschäftigt man sich mit seiner Person – dann ganz schnell wiederfindet an den Nahtstellen in der Vita, die für Byrnes so entscheidend waren und auch heute noch sind. 2009 etwa brachte er ein Album mit dem Titel „My Walking Stick“ heraus. Wenn man weiß, dass Jim am 26. Februar 1972 bei einem tragischen Verkehrsunfall beide Beine verlor, könnte man schon auf den Gedanken kommen, er sei aufgrund dieses Ereignisses entstanden. „Nein“, sagt Byrnes, „der Titelsong für das Album war lange vorher da. Meine Mutter hatte eine Platte der Mills Brothers, mit Louis Armstrong als Special Guest. Ich war neun oder zehn damals und ich liebte vor allem diesen Song wegen seines witzigen Textes. Als ich Jahre später diesen Unfall hatte, bekam der Text plötzlich eine tiefere Bedeutung. Er gab mir zusätzliche Kraft, um durchzuhalten und das Lachen nicht zu verlernen.“

Auch die Geschichte, als er sich als Halbwüchsiger mit einem Kumpel in einen schwarzen Club seiner Heimatstadt St. Louis schlich, um Muddy Waters zu hören, erzählt er gerne. „Ja, und dann sahen wir uns um und registrierten erst, dass wir die einzigen Weißen in dem Laden waren. Muddy bemerkte unsere Unsicherheit und hat uns extra von der Bühne aus begrüßt.“ Byrnes hat seiner Jugend in der Stadt, die ihn musikalisch so sehr geprägt hat, 2014 ein eigenes Album mit dem Titel „St. Louis Times“ gewidmet. Heute lebt er im kanadischen Vancouver und betrachtet seine frühere Heimat mit Abstand. „St. Louis ist heute ein Schatten dessen, was es früher mal war. Es leben dort Bevölkerungsschichten zusammen, die aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres sozialen Hintergrunds und ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Ungleichheit zwischen diesen Gruppen tut der Stadt überhaupt nicht gut und sie bezahlt ihren Preis dafür.“

11.12.2017 • Karl Leitner (Auszug aus dem ausführlichen Interview in bluesnews 92)




Zurück

Einen Kommentar schreiben