Kilians Plattenecke 01/2012



Wer einmal bei Amazon Blues-CDs bestellt hat, kriegt fortan regelmäßig Infomails mit Neuerscheinungen. In denen tauchen jedoch meistens nur die gerade angesagten Künstler auf, zumeist der rockigeren oder poppigeren Sorte. Da war ich doch Ende letzten Jahres sehr überrascht, als ich von amazon.co.uk (wo ich recht häufig bestelle, weil manche Sachen in England günstiger sind) eine Werbemail erhielt, in der zuerst die folgenden vier CDs in dieser Reihenfolge angekündigt wurden: 1. Joe Louis Walker: Hellfire. Nach 25 Jahren als Plattenkünstler ist Walker jetzt bei Alligator gelandet - okay, das ist noch keine so große Überraschung. Aber als Nächstes: 2. Eddie Cusic: Leland Mississippi Blues. Das österreichische Wolf-Label wird zu Recht oft wegen seiner Produktionen gescholten, aber in seinem sehr umfangreichen Katalog schlummern einige Schätze. Musikalisch gehört dieses akustische Soloalbum sicher dazu, aber warum reissued Wolf eine 1998er Hightone-CD (mit nur einem zusätzlichen Titel), wenn diese noch erhältlich ist? Interessanter ist da schon Nr. 3: Ray Bailey: Cruisin' For A Bluesin'. Bailey machte Mitte der 90er Jahre mit seiner Debüt-CD "Satan's Horn" von sich reden, hatte zwischenzeitlich wohl persönliche Probleme, kam 2009 mit einer Live-CD zurück und legt nun ein beeindruckendes modernes Blues-Studioalbum vor. Näheres kann man in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Living Blues" lesen, das Bailey seine Coverstory widmet. Nr. 4 schließlich ist von einem weiteren Künstler, der vom Schicksal arg gebeutelt wurde: James Armstrong konnte erst viele Jahre nach dem brutalen Überfall, der ihn 1997 fast das Leben kostete, wieder voll in die Saiten greifen und veröffentlicht mit "Blues At The Border" (nach drei CDs für das kalifornische Hightone-Label) jetzt sein erstes Album für Catfood Records aus Texas. Stilistisch bewegen sich die Aufnahmen bis auf einen "unplugged" Titel weiterhin im modernen und soulig-funkigen Bereich.

Collector's Corner
Manche Platten sind so rar, dass man sie nur vom Hörensagen kennt und sich gar nicht sicher ist, ob sie überhaupt veröffentlicht wurden. Im Bereich der Prewar-78er gibt es diverse Beispiele dafür (hat von euch irgendjemand die zweite Willie-Brown-Paramount irgendwo rumliegen?) und manchmal entdeckt man auch aus neueren Jahren unerwartete Tonträger. Nachdem ich vor knapp drei Jahren endlich die Gatemouth-Brown-Doppel-LP "Live At The Cowboy Bar" ergattern konnte, ist mir jetzt zufällig eine Single auf den Bildschirm geflattert, die der Jeanshersteller Levi's 1975 in Kooperation mit dem Toadstool-Label in Australien veröffentlicht hat. Unter dem Titel "The First Australian Blues/Rock Festival '75" befinden sich darauf drei Titel, die (wahrscheinlich bei diesem Event) live mitgeschnitten wurden, und zwar je ein Song von Alexis Korner, Duster Bennett und - Hound Dog Taylor! Sein "Everything's Alright" ist in Wirklichkeit Elmore James' "(I) Held My Baby Last Night", die Soundqualität lässt zu wünschen übrig und der Titel bringt nichts Neues - aber, hey, eine weitere Aufnahme eines meiner Lieblingskünstler! Nun, mal sehen, ob ich nächstes Mal genug für die Columbia-Single von Ottilie Patterson mit Sonny Boy Williamson bieten kann ...













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KILIANS PLATTENECKE

Klaus Kilian berichtet monatlich und exklusiv für bluesnews über neue Veröffentlichungen und Reissues, gibt Empfehlungen aus seinen Spezialgebieten traditioneller Blues und bluesiger Jazz. Diskografische oder sonstige Anfragen aus diesen Bereichen werden gern beantwortet.

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