Various Artists
Blues Explosion
(Feelin' Good Records, 78:17)
Während unser lebensgroßes ‚Monopoly'-Spiel zum Teufel geht und sich allerliebste Urlaubsländer reihenweise den Wolf sparen, zockt dieses jecke Dreigestirn mal fix inflationäre 78 Minuten Spielzeit unter die Leute. Da gibt es was fürs letzte Geld, so funktioniert ein gut durchdachter Rettungsschirm! Stoff, der derart ewig läuft, bietet zwangsläufig viel Gutes. Vivian Vance Kellys Opener "Last Two Dollars" hat kaum weniger Charme als frühere Bearbeitungen und braucht sich hinter kapitalen Größen wie Johnnie Taylor nicht zu verstecken. Im Anschluss übernimmt Andy Just kraftvoll mit der Jim-Suhler-Hymne "Shake". Herzerfrischend losbrezelnd geht es weiter mit rockigem Blues oder fetzigem Texas-Shuffle. Die an sich krude Idee, Soul-Lady Kelly mit einem wild gewordenen Gitarristen sowie dem Westcoast-Harp-Veteranen Just zu kreuzen, ist der Tatsache geschuldet, dass selbige Troika im Sommer 2012 gemeinsam zu touren gedenkt. Daher dieser Abenteuer-Cocktail, zusammengemixt aus sechs älteren Alben der einzelnen Protagonisten. Ein Kollektiv fehlt also gänzlich, jeder bastelt seinen eigenen Stiefel. Nicht durchweg Meisterwerke, weil ja sowieso der reinste Marathon und derweil teils jenseits der Schmerzgrenze lärmend (Krachlederer Andy Just treibt ein Spiel ohne Grenzen), aber vieles hiervon unterliegt demnächst glatt der Vergnügungssteuer. Wetten?
CD-TIPP
In den vierteljährlichen Printausgaben stellen die Rezensenten von bluesnews weit über 100 neue CDs und DVDs vor, mit dem "CD-Tipp" (früher "CD-Tipp des Monats") wird alle ein bis zwei Wochen zusätzlich auf besonders erwähnenswerte Veröffentlichungen online hingewiesen.