CD-Tipp 02/2012:



Paul Geremia
Love My Stuff
(Red House, 63:07)

Der aus Rhode Island im Nordosten der USA stammende Paul Geremia gehört ohne Zweifel zu den besten und wichtigsten weißen Interpreten des akustischen Blues. Seit 45 Jahren ist der Gitarrist, Sänger, Rack-Mundharmonikaspieler und gelegentliche Pianist professionell unterwegs und spielt nicht nur herausragende Interpretationen von klassischem Prewar-Bluesmaterial, sondern verwendet den traditionellen Blues auch als Ausdrucksform für eigene überzeugende Kompositionen. Warum also ist der 67-Jährige nicht besser bekannt? Nun, wer ihn einmal kennengelernt hat, wird sich an einen ruhigen, zurückhaltenden Künstler erinnern, der lieber über seine Vorbilder und Kollegen als über sich selbst redet, dessen Understatement aber sicherlich seiner Karriere nicht immer förderlich war. Außerdem kam er nie in den Genuss eines einflussreichen Managements und seine Platten sind fast durchweg auf kleineren Labels wie Folkways, Adelphi, Flying Fish und in erster Linie auf Shamrock bzw. Red House erschienen. Was Geremia besonders von anderen, ähnlich versierten Pickern abhebt, ist seine überragende Rhythmik: Er hat die Gabe, vielfältige Akzentuierungen zu setzen, ohne den Drive oder den Swing seiner Begleitung zu verlieren. Deswegen ist sein Gesang interessanter als bei den meisten anderen und seine Mundharmonikaeinwürfe (gleichzeitig im Gestell um den Hals gespielt) sind zwar melodisch einfach, aber rhythmisch immer auf den Punkt. Pauls neueste CD ist mit "3 decades of rare live recordings" untertitelt und besteht aus Livemitschnitten von verschiedenen Konzerten, hauptsächlich aus den letzten 10 Jahren. Seine Meisterschaft auf der 12-saitigen Gitarre ist stark vertreten, ebenso sein Slidespiel, seine verschiedenen Gitarrenstimmungen und seine Rack-Harp, es fehlt lediglich ein Beispiel für sein authentisches Barrelhouse-Pianospiel. Das Repertoire besteht aus Klassikern von Charley Patton, Blind Lemon Jefferson, Rev. Gary Davis, Blind Willie McTell, Lead Belly, Sleepy John Estes u. a., ein paar jazzigen Nummern und vier eigenen Songs. 18 Titel in 63 Minuten - Geremia nudelt nicht lang rum, er kommt zur Sache und fesselt den Zuhörer jede Sekunde. Wer ihn schon kennt, wird die CD sowieso kaufen, wer nicht, der hat hier den perfekten Einstieg. Hoffentlich sieht man ihn bald mal wieder in unseren Breiten.


09.01.2012 | Klaus Kilian | Songs der CD anhören |

RSS 2.0


Kommentare:















>> nach oben

Copyright: Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Verlags Dirk Föhrs, 58762 Altena.

CD-TIPP

In den vierteljährlichen Printausgaben stellen die Rezensenten von bluesnews weit über 100 neue CDs und DVDs vor, mit dem "CD-Tipp" (früher "CD-Tipp des Monats") wird alle ein bis zwei Wochen zusätzlich auf besonders erwähnenswerte Veröffentlichungen online hingewiesen.

>> Aktueller CD-Tipp und Übersicht