Johnny Otis verstorben

Johnny Otis ist tot, der legendäre Multiinstrumentalist, Bandleader, Produzent und Talentförderer verstarb am 17. Januar 2012 im Alter vom 90 Jahren in Los Angeles.

Der Sohn griechischer Einwanderer wurde am 28.12.1921 in Vallejo (Kalifornien) als John Veliotes geboren, wuchs in San Francisco auf und spielte schon in jungen Jahren Schlagzeug in verschiedenen Bands, bevor er 1945 sein eigenes Jazz-Orchester gründete. Zwei Jahre später wechselte Johnny Otis erfolgreich ins R&B-Lager, denn mit seinem California Rhythm And Blues Caravan tourte er kreuz und quer durch die USA. Welch wichtigen Beitrag diese Formation für die Musikwelt leistete, sollte sich erst später herausstellen, denn viele der damals noch unbekannten Bandmitglieder fand Otis auf Talentwettbewerben. Ihnen ebnete er ebenso den Weg, wie weiteren Künstlerinnen und Künstlern, für die er als Produzent tätig war.

Mit T-Bone Walker, Big Joe Turner, Johnny Ace, Hank Ballard, Esther Phillips und vielen anderen arbeitete Johnny Otis damals zusammen, außerdem produzierte er mit "Hound Dog" (Leiber/Stoller) und Big Mama Thornton einen Klassiker der Bluesgeschichte. Auch Erfolge blieben nicht aus, allein zwischen 1950 und 1952 landete Otis mehrere Hits in den amerikanischen R&B-Charts. Den Job als Bandleader gab er 1954 vorübergehend auf, um in Los Angeles als Radio-DJ zu arbeiten. Mit einer neuen Formation, der Johnny Otis Show, meldete er sich aber zurück und zwischen 1957 und 1969 gelangen ihm noch einige weitere Charts-Erfolge. Johnny Guitar Watson zählt aus jener Phase zu den bekanntesten Bluesmusikern, die aus der Otis-Talentschmiede hervorgingen.

Nach einem umjubelten Auftritt beim Monterey Jazz Festival 1971 mit Pee Wee Crayton, Gene "Mighty Flea" Conners, Eddie "Cleanhead" Vinson, Big Joe Turner und vielen anderen zog sich Johnny Otis allerdings aus dem Musikgeschäft immer mehr zurück und wurde schließlich Priester. Mit der New Johnny Otis Show, einer mit teils über 30 Musiker(inn)en besetzten Formation, feierte der Multiinstrumentalist 1981 eine Art Comeback. Dauerhaft existierte diese Band allerdings nicht, Otis löste sie zwischenzeitlich mehrmals auf, um sie nach einer Pause wieder neu zusammenzustellen. So brachte er Priester- und Musikerjob unter einen Hut.

In den 90er-Jahren entpuppte sich Johnny Otis zudem als cleverer Geschäftsmann, er betätigte sich als Fruchtsaft-Hersteller und eröffnete den "Johnny Otis Market & Deli". Dabei handelte es sich um ein Lebensmittelgeschäft mit angeschlossenem Café und Musikclub, in dem der Chef regelmäßig selbst Konzerte spielte. Für sein künstlerisches Schaffen wurde Johnny Otis mehrfach geehrt, unter anderem erfolgte die Aufnahme in die Rock'n'Roll Hall Of Fame (1994) sowie in die Blues Hall Of Fame (2000) und die R&B Foundation verlieh ihm den Pioneer Award. Zum 90sten Geburtstag des Künstlers im vergangenen Dezember stellte Ace Records die CD "On With The Show - The Johnny Otis Story Vol. 2 (1957-1974)" zusammen, die nun posthum im Februar erscheinen wird. Bereits 2010 kam die Johnny-Otis-Biografie "Midnight At The Barrelhouse" von George Lipsitz auf den Markt.

20.01.2012 | Dirk Föhrs


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