Mancher Musikliebhaber wird in den letzten Tagen "I'd Rather Go Blind", "All I Could Do Was Cry", "At Last" oder "Tell Mama" von Etta James aufgelegt haben. Die legendäre Sängerin verstarb am 20. Januar kurz vor ihrem 74sten Geburtstag und nur vier Tage nach ihrem früheren Mentor Johnny Otis in Riverside, Kalifornien. Auch wenn Etta James aus gesundheitlichen Gründen seit längerer Zeit kürzer treten musste, so blieb sie bei ihren Fans trotzdem im Gedächtnis. Bereits am vergangenen Wochenende fanden sich gleich drei ihrer Alben in den Top 5 der Amazon-Verkaufscharts wieder.
Jamesetta Hawkins wurde geboren, als nicht nur in der Musikwelt strikte Rassen- und Geschlechtergrenzen Gültigkeit besaßen. Doch damit nicht genug, ihre Mutter war Prostituierte und mit 14 selbst noch ein Kind. Was das 1938 in Los Angeles bedeutete, muss nicht weiter erläutert werden. Jamesetta sang schon früh im Gospelchor, wurde als Jugendliche Straßenmusikerin, nannte sich ab Anfang der 50er-Jahre Etta James und gründete dass Doo-Wop-Trio Peaches. Das nahm Johnny Otis unter seine Fittiche und der eindeutig zweideutige Song "The Wallflower" stürmte 1955 auf Platz eins der R&B-Charts. Die Nummer hieß ursprünglich "Roll With Me, Henry" und galt als Antwort auf "Work With Me, Annie" von Hank Ballard. Doch das ging im Amerika der 50er gar nicht, immerhin blieb das, was sich Etta von Henry wünschte, im Refrain des Songs erhalten.
Für Etta war es der Startschuss zu einer erfolgreichen Karriere, mit ihren Peaches spielte sie eine Tournee im Vorprogramm von Little Richard und sang sich in die Herzen der Fans. Es folgten - jetzt unter eigenem Namen - Hits für Modern Records und dann in 60er-Jahren für Argo Records, eine Tochterfirma des legendären Chess-Labels. Mit dem Erfolg kamen aber auch die Drogen und familiäre Probleme, nach mehreren Klinikaufenthalten besiegte Etta erst Mitte der 70er ihre Heroinsucht. Die Karriere blieb erfolgreich, sie trat im Vorprogramm der Rolling Stones auf, sang 1984 die amerikanische Nationalhymne bei den Olympischen Spielen in Los Angeles, wurde mit mehreren Grammy Awards ausgezeichnet und in diverse Halls of Fame (Rock'n'Roll, Blues, Rockabilly) aufgenommen.
Rund 30 Studioalben sind von Etta James erschienen, inklusive Wiederveröffentlichungen und Live-Produktionen weist ihre Diskografie sogar weit über 50 Titel auf. Einen Einblick in ihr Leben gewährt die Biografie "Rage To Survive" (David Ritz, 1995) und im Kinofilm "Cadillac Records" (2008) spielt Bevoncé Knowles die junge Sängerin während ihrer Zeit bei Chess Records in den 60er-Jahren. Etta James war eine Kämpfernatur, der trotz aller Widrigkeiten der Sprung ins große Rampenlicht gelang. Auch nach persönlichen Rückschlägen kehrte sie auf die großen Bühnen zurück. Ihren letzten Kampf hat sie nach vielen Erkrankungen (Leukämie, Hepatitis, Lungenentzündung) verloren, aber ihre großartige Stimme und ihre vielen Songs werden uns für immer in Erinnerung bleiben.